Klimakrise und Verlust der Artenvielfalt sind größte Bedrohungen für die Menschheit

Art der Landnutzung ist Hauptverursacher des Artensterbens

Potsdam. Heute stellte der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) seinen Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt vor. Verabschiedet wurde ein Bericht, der erstmals seit 14 Jahren wieder eine Gesamtübersicht zum Zustand der biologischen Vielfalt und der Leistungen der Ökosysteme weltweit liefert – mit erschreckendem Resultat.

So sagte Almut Arneth, koordinierende Leitautorin: „Weltweit sind Ökosysteme und die Artenvielfalt jetzt schon erheblich geschädigt. Gründe sind unter anderem das Übernutzen von Ressourcen und der vom Mensch verursachte Klimawandel“. Damit hat die Zerstörung der Artenvielfalt und der Ökosysteme ein Niveau erreicht, das das Wohlergehen des Menschen erheblich bedroht. Laut dem Bericht ist vor allem die intensive Landnutzung der größte Treiber des globalen Biodiversitätsverlustes einschließlich des Insektenschwundes.

„Das globale Artensterben ist real“, so Thomas Volpers, stellvertretender Vorsitzender des BUND Brandenburg. „Der Bericht aus Paris zeigt deutlich, dass wir sofort eine Kehrtwende brauchen, um die menschlichen Lebensgrundlagen zu sichern. Klimakrise und Artenschwund verstärken sich gegenseitig und beide sind für den Planeten damit auch das Überleben der Menschheit gleichermaßen bedrohlich. Wir müssen deswegen alle gemeinsam für Klimaschutz und Artenvielfalt kämpfen. Unsere Zukunft hängt davon ab“.

Auch in Brandenburg sind nach der Roten Liste in allen Insektenartengruppen Rückgänge in den Bestandsgrößen und der Artenvielfalt zu verzeichnen. So werden 41 % der Käfer, 53 % der Hautflügler (u.a. Bienen), 52 % der Kleinschmetterlinge, 41 % der Großschmetterlinge und 25 % der Köcherfliegen als ausgestorben bzw. gefährdet geführt. Damit fehlt nicht nur die Vielfalt an Insektenarten, sondern auch die schiere Masse an Insekten, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel insbesondere während der Jungenaufzucht darstellen. Dies spiegelt sich auch in den Verlusten bei den Agrarvögeln wieder. Daten des Brutvogelmonitorings seit 1995 zeigen, dass in den letzten Jahren vor allem auch ehemals ganz häufige Arten der Agrarlandschaft rückläufige Bestände aufweisen. Im Zeitraum 1995 bis 2016 haben 30 von 39 Vogelarten der Agrarlandschaft mehr oder weniger stark abgenommen. Dazu zählen verbreitete Arten wie Feldlerche, Schafstelze, Feldsperling und Bluthänfling, die immer noch verbreitet vorkommen, aber in viel geringerer Dichte als in früheren Jahren.

„Das Artensterben findet nicht nur in fernen Ländern, sondern genauso in unserem Land, vor unserer Haustür statt. Wie können wir von armen Ländern ein Umsteuern erwarten, wenn wir dem Artensterben im eigenen Land nicht ernsthaft entgegenwirken?“, erklärt Friedhelm Schmitz-Jersch, Landesvorsitzender des NABU Brandenburg.

Die im Bericht des Weltbiodiversitätsrates als ein Hauptverursacher des Artensterbens genannte Landnutzung ist auch Schwerpunkt der Volksinitiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“. So wollen die Umweltschützer unter anderem, dass der Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten auf FFH-Gebiete grundsätzlich untersagt, die Landwirtschaft umweltverträglicher gestaltet, der Ökolandbau vorangebracht, Gewässer besser vor Schadstoffeinträgen geschützt sowie die Weidetierhaltung unterstützt wird. Die Initiatoren haben ihre wichtigsten Forderungen in konkrete Gesetzesvorschläge einfließen lassen und wollen so die Rahmenbedingungen für den Schutz der Artenvielfalt in Brandenburg grundlegend verbessern. Für eine erfolgreiche Volksinitiative müssen innerhalb von einem Jahr 20.000 Menschen für den Gesetzesentwurf unterzeichnen. Unterschreiben können alle Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Brandenburg.

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